Die 54-jährige Tanja hätte nie gedacht, dass sie einmal vor verschlossenen Türen stehen würde – nicht, weil es keine Wohnungen gibt, sondern weil sie sie sich schlicht nicht mehr leisten kann.

Seit über 30 Jahren lebt Tanja in Berlin. Sie hat als Verkäuferin gearbeitet, später in der Pflege ausgeholfen, immer Vollzeit, immer zuverlässig. Ihr Leben war nie luxuriös, aber stabil. Doch diese Stabilität ist ins Wanken geraten. Nachdem ihr Vermieter Eigenbedarf angemeldet hatte, begann für sie eine zermürbende Wohnungssuche.

Was früher mit ein paar Besichtigungen erledigt war, ist heute ein Wettbewerb mit Hunderten Mitbewerbern. Vor zehn Jahren zahlte Tanja noch rund 650 Euro Warmmiete für ihre Zweizimmerwohnung in einem Altbau in Neukölln. Heute werden vergleichbare Wohnungen für 1.200 Euro oder mehr angeboten. Für Tanja, die nach Abzügen knapp 1.800 Euro im Monat verdient, ist das schlicht nicht tragbar.

„Ich arbeite mein ganzes Leben lang – und trotzdem reicht es nicht“, sagt sie resigniert. Besonders bitter: Viele Vermieter verlangen Gehaltsnachweise, die das Dreifache der Kaltmiete ausweisen. Bei einer Kaltmiete von 1.000 Euro müsste Tanja also 3.000 Euro netto verdienen – eine Summe, die in ihrer Branche kaum erreichbar ist.

Die steigenden Mieten sind kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines angespannten Wohnungsmarktes. In Großstädten wie München, Hamburg oder Frankfurt am Main sind die Preise in den letzten Jahren massiv gestiegen. Neubauten entstehen zwar, doch sie richten sich häufig an Besserverdienende. Sozialwohnungen hingegen werden vielerorts abgebaut oder fallen aus der Bindung.

Tanja hat inzwischen über 40 Bewerbungen verschickt, unzählige Unterlagen eingereicht und sich sogar auf kleinere Einzimmerwohnungen beworben. Absagen bekommt sie meist gar nicht – nur Schweigen. „Man fühlt sich unsichtbar“, sagt sie. „Mit 54 glaubt man, man hätte etwas Sicherheit verdient.“

Die Situation belastet sie nicht nur finanziell, sondern auch emotional. Die Angst, im schlimmsten Fall in eine Notunterkunft ziehen zu müssen, begleitet sie täglich. Unterstützung durch das Amt würde zwar einen Teil der Miete übernehmen, doch selbst die anerkannten Höchstgrenzen liegen oft unter den realen Marktpreisen.

Experten sprechen inzwischen von einer strukturellen Krise: steigende Baukosten, hohe Zinsen, fehlende Flächen und eine starke Nachfrage treiben die Preise weiter nach oben. Für Menschen wie Tanja bedeutet das vor allem eines – Unsicherheit.

Noch wohnt sie in ihrer alten Wohnung, doch die Frist läuft bald aus. Jeden Abend durchsucht sie Wohnungsportale, schreibt Nachrichten, aktualisiert ihre Unterlagen. Sie hofft auf eine Chance – auf eine faire Miete, auf einen Vermieter, der nicht nur Zahlen sieht, sondern einen Menschen.

Tanja steht stellvertretend für viele Menschen in Deutschland, die trotz jahrzehntelanger Arbeit um ein Grundbedürfnis kämpfen müssen: ein bezahlbares Zuhause.

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