Jürgen ist 50 Jahre alt, Landwirt aus Bayern – und zunehmend frustriert. „Die Steuer frisst die Hälfte meines Einkommens“, sagt er mit Blick auf die Abrechnungen des vergangenen Jahres. Seit über 30 Jahren arbeitet er auf dem Hof, den er von seinen Eltern übernommen hat. Doch so angespannt wie heute sei die Lage noch nie gewesen.

Der Familienbetrieb setzt auf Ackerbau und Viehzucht. In den vergangenen Jahren seien die Kosten massiv gestiegen: Diesel, Strom, Futtermittel und Ersatzteile für Maschinen hätten deutlich angezogen. Gleichzeitig schwankten die Erzeugerpreise stark. „Wir tragen das volle Risiko – Wetter, Markt, politische Entscheidungen – aber am Ende bleibt immer weniger übrig“, erklärt Jürgen.

Besonders belastend empfindet er die Abgabenlast. Neben der Einkommensteuer fallen für ihn unter anderem Grundsteuer, Sozialversicherungsbeiträge und verschiedene Umlagen an. „Wenn ich alles zusammenrechne, bin ich schnell bei rund der Hälfte meines Gewinns, die weg ist“, sagt er. Zwar erhalte er Fördermittel, die unter anderem von der Europäische Union bereitgestellt werden, doch diese seien an umfangreiche Auflagen gebunden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Bürokratie. Vorgaben aus der Reform der Gemeinsame Agrarpolitik bedeuteten für ihn zusätzliche Dokumentationspflichten und neue Umweltauflagen. „Ich verstehe, dass wir nachhaltiger wirtschaften müssen. Aber die Umsetzung kostet Zeit und Geld“, sagt der 50-Jährige. Für kleinere und mittlere Betriebe sei das kaum noch zu stemmen.

Auch Branchenvertreter sehen Handlungsbedarf. Der Deutscher Bauernverband fordert seit Jahren steuerliche Entlastungen und weniger bürokratische Hürden für landwirtschaftliche Betriebe. Kritiker hingegen verweisen darauf, dass die Landwirtschaft bereits umfangreiche Subventionen erhalte und Reformen notwendig seien, um Klima- und Umweltschutzziele zu erreichen.

Für Jürgen steht vor allem die Zukunft seines Hofes auf dem Spiel. „Ich arbeite gern in der Landwirtschaft. Aber ich frage mich schon, wie lange das noch wirtschaftlich tragfähig ist“, sagt er. Trotz aller Herausforderungen wolle er weitermachen – doch er hofft auf politische Entscheidungen, die ihm und anderen Landwirten wieder mehr Planungssicherheit geben.

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