Die Debatte über eine Zuckersteuer in Deutschland gewinnt zunehmend an Fahrt. Ziel: den hohen Konsum von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken zu senken und gleichzeitig die öffentliche Gesundheit zu fördern. Doch wie realistisch ist eine solche Steuer, und welche Auswirkungen hätte sie auf Verbraucher und Wirtschaft? Wir haben einen Ernährungsexperten um Einschätzung gebeten.

Warum eine Zuckersteuer?

Deutschland gehört zu den europäischen Ländern mit einem steigenden Anteil an Übergewicht und Diabetes-Erkrankungen. Laut dem Robert-Koch-Institut sind etwa 60 % der Männer und 50 % der Frauen übergewichtig, ein signifikanter Teil davon stark adipös. Zuckerhaltige Getränke und Snacks gelten als Haupttreiber dieser Entwicklung. Eine Steuer könnte finanzielle Anreize schaffen, den Konsum zu reduzieren.

Die Rolle des Experten

Dr. Michael Krüger, Ernährungswissenschaftler an der Universität Berlin, erklärt: „Erfahrungen aus Ländern wie Großbritannien oder Mexiko zeigen, dass eine Zuckersteuer die Nachfrage nach Softdrinks deutlich senken kann – teilweise um 10 bis 15 % innerhalb weniger Jahre.“ Gleichzeitig warnt Krüger: „Die Wirkung hängt stark von der Höhe der Steuer und der Gestaltung der Ausnahmen ab.“

Mögliche Modelle in Deutschland

Diskutiert werden verschiedene Ansätze:

  • Direkte Steuer auf zuckerhaltige Getränke: vergleichbar mit dem britischen Modell.

  • Gestaffelte Steuer je nach Zuckergehalt: je süßer das Getränk, desto höher die Steuer.

  • Breitere Lebensmittelsteuer: auch Süßigkeiten, Gebäck oder Fertigprodukte könnten einbezogen werden.

Dr. Krüger sieht Chancen, aber auch Herausforderungen: „Eine gut durchdachte Zuckersteuer könnte das Ernährungsverhalten beeinflussen, aber sie darf sozial benachteiligte Gruppen nicht unverhältnismäßig belasten.“

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte

Hersteller könnten auf Reformulierungen reagieren, indem sie den Zuckergehalt reduzieren. Gleichzeitig könnte die Steuer für Verbraucher Mehrkosten bedeuten, insbesondere für Familien mit geringem Einkommen. Experten betonen daher, dass Einnahmen aus der Steuer in Gesundheitsprojekte oder Aufklärung investiert werden sollten, um die Wirkung zu maximieren.

Fazit

Eine Zuckersteuer könnte in Deutschland ein wirksames Instrument sein, um die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern, wenn sie klug gestaltet und sozial ausgewogen umgesetzt wird. Dr. Krüger betont: „Die Steuer allein reicht nicht. Sie muss Teil eines umfassenden Ernährungskonzepts sein, das Aufklärung, Prävention und gesunde Alternativen einschließt.“

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