Ich bin 54, er ist 58. Wir hatten keinen Luxus, kein dickes Konto, keine riesigen Rücklagen. Was wir hatten, war das Wenige, das uns noch blieb – und den Mut, 2020 trotzdem in den Urlaub zu fahren. Es sollte unser letzter Ausflug in die Ferne sein. Warum? Weil wir schlichtweg kein Geld mehr hatten.

Wir reisten nicht, um Instagram-Bilder zu machen. Wir reisten, weil wir noch einmal das Gefühl spüren wollten, frei zu sein, ohne Rechnungen, ohne Sorgen, einfach wir zwei. Es war einfach: kleine Pensionen, selbstgekochtes Essen, Spaziergänge, Gespräche und Sonne auf der Haut. Kein teures Hotel, kein exotisches Abenteuer, kein Glamour – nur das, was wir uns leisten konnten.

Jeder Tag war eine Mischung aus Freude und bitterer Realität. Freude, weil wir zusammen waren; bitter, weil wir wussten, dass danach alles anders sein würde. Dass wir wieder jeden Cent umdrehen müssten. Dass unser letzter Urlaub vielleicht wirklich der letzte war, den wir uns je leisten würden.

Heute denke ich daran und spüre immer noch diesen Kontrast: Wie wenig wir hatten – und wie reich wir uns fühlten. Reich an Zeit, an Nähe, an Momenten, die kein Geld der Welt kaufen kann. Aber ich lüge nicht: Es war auch schmerzhaft. Wir mussten unseren Traum genießen, wissend, dass der nächste vielleicht nie kommt.

2020 hat uns gelehrt, dass Glück nicht auf Kontoständen steht. Aber es hat uns auch gezeigt, wie hart das Leben zuschlagen kann, wenn man kein Geld hat. Dieser Urlaub bleibt in unserer Erinnerung – nicht, weil er perfekt war, sondern weil er unser letzter war. Unser letzter Luxus, den wir uns leisten konnten, bevor die Realität uns wieder einholte.

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