Caroline ist 59 Jahre alt. In vielen Köpfen wäre sie vielleicht schon dabei, das Leben ruhiger zu genießen – Kinder aus dem Haus, vielleicht ein bisschen Reisen oder ein Hobby intensivieren. Doch für Caroline sieht die Realität ganz anders aus: Sie muss zwei Jobs gleichzeitig ausüben, nur um über die Runden zu kommen.
Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Caroline tagsüber als Kassiererin in einem Supermarkt. Ihre Arbeit ist körperlich und mental fordernd: stundenlanges Stehen, Kundenkontakt, das ständige Jonglieren von Preisen und Waren. „Nach acht Stunden auf den Beinen fühle ich mich, als hätte ich einen Marathon gelaufen“, sagt sie.
Doch das Einkommen reicht nicht aus. Die Miete, die Nebenkosten, der alltägliche Einkauf – alles summiert sich zu einer Belastung, die ihr Gehalt alleine nicht decken kann. Deshalb arbeitet Caroline abends noch in einer Reinigungsfirma. Dort reinigt sie Büros und Geschäftsräume, oft bis spät in die Nacht. „Manchmal komme ich um elf nach Hause, esse noch schnell etwas und falle erschöpft ins Bett. Und am nächsten Morgen geht alles wieder von vorne los“, erzählt sie.
Caroline ist kein Einzelfall. Immer mehr Menschen in ihrem Alter sehen sich gezwungen, mehrere Jobs anzunehmen, weil die Rentenansprüche niedrig sind und die Lebenshaltungskosten steigen. Besonders betroffen sind Frauen, die oft niedrigere Gehälter und Lücken in ihrer Erwerbsbiografie haben.
„Es ist ein Kampf ums Überleben“, sagt Caroline. „Manchmal frage ich mich, wie lange ich das noch durchhalten kann.“ Trotz der Erschöpfung gibt sie nicht auf – sie denkt an die Zukunft, an die Sicherheit, die sie sich im Alter erarbeiten möchte. Doch der Preis dafür ist hoch: kaum Freizeit, wenig Schlaf, ständige körperliche Belastung.
Caroline steht stellvertretend für viele Menschen, die trotz harter Arbeit kaum über die Runden kommen. Ihre Geschichte zeigt, dass Überleben in unserer Gesellschaft nicht immer mit Arbeit endet, sondern oft erst damit beginnt.
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