In der südhessischen Stadt Viernheim setzt man bei der Abfallentsorgung auf ein Gebührensystem, das die Bürgerinnen und Bürger dazu motiviert, bewusster mit ihrem Müll umzugehen. Anders als bei pauschalen Beiträgen werden hier die Müllgebühren direkt mit dem tatsächlichen Entsorgungsverhalten verknüpft – ein Prinzip, das dem in Frankreich bekannten „la taxe poubelle incitative“ ähnelt.
Wie das Gebührensystem funktioniert
Seit dem Beitritt zum Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) im Jahr 2018 richtet sich das Abrechnungssystem der Müllentsorgung nach der Anzahl der Leerungen der Rest‑ und Bioabfalltonnen. Wer seine Tonne häufiger zur Abholung bereitstellt, zahlt entsprechend mehr, wer seltener leeren lässt, weniger. Jede Leerung wird einzeln berechnet, zusätzlich zur Grundgebühr; Haushalte haben so selbst in der Hand, wie hoch ihre Müllkosten am Ende ausfallen.
Dieses System schafft einen klaren Anreiz für weniger Restmüll, mehr Mülltrennung und verstärktes Recycling: Denn je effizienter jemand Abfall vermeidet und verwertet, desto seltener muss er seine Tonne zur Leerung bereitstellen – und desto niedriger fallen die Gebühren aus.
Konkrete Auswirkungen auf das Verhalten
In Viernheim beobachten Kommunalpolitiker und Verwaltung, dass immer mehr Haushalte kleinere Restmülltonnen nutzen oder die Anzahl der Leerungen reduzieren. Dies gilt als ein Zeichen dafür, dass viele Viernheimerinnen und Viernheimer tatsächlich bewusster mit ihrem Müll umgehen und Abfallvermeidung zu einem Teil ihres Alltags gemacht haben.
Das Gebührensystem ermöglicht zudem eine große Transparenz: Jede Familie sieht direkt, wie sich ihr Verhalten auf die Abfallkosten auswirkt – ein effektives Instrument, um Umweltschutz greifbar und unmittelbar relevant zu machen.
Herausforderungen und Diskussionen
Trotz dieser Vorteile ist das System nicht ganz unumstritten. In der öffentlichen Debatte wird immer wieder betont, dass Gebührensteigerungen – etwa durch höhere Entsorgungskosten auf Verbandsebene – ebenfalls zu spüren sind und dann die Haushalte stärker belasten können. Gleichzeitig steigende Lebenshaltungskosten führen in Teilen der Bürgerschaft zu Diskussionen darüber, wie soziale Gerechtigkeit und ökologische Ziele in Einklang gebracht werden können.
Fazit
Das in Viernheim praktizierte abfallbezogene Gebührensystem hat das Potenzial, die Einstellungen und Gewohnheiten der Einwohner nachhaltig zu verändern. Durch die direkte Verknüpfung von Müllvermeidung und Kosten wird Umweltschutz nicht abstrakt, sondern konkret spürbar – ein Schritt, der bei vielen Haushalten zu mehr Ressourcenschonung im Alltag führt.