Nach über zwei Jahrzehnten geht in der Innenstadt von Musterstadt eine Ära zu Ende: Ein Ehepaar im Alter von 55 und 60 Jahren sieht sich gezwungen, seinen beliebten Imbissbetrieb aufzugeben. Der Grund: steigende Kosten und nach eigenen Angaben zu hohe Steuerbelastungen, die einen wirtschaftlichen Betrieb kaum noch möglich machen.

„Wir haben immer hart gearbeitet“

Seit mehr als 20 Jahren standen die beiden täglich hinter dem Tresen ihres kleinen Imbisses. Frühmorgens wurde eingekauft, vorbereitet und gekocht, oft bis spät in den Abend hinein. „Wir haben sieben Tage die Woche gearbeitet, kaum Urlaub gemacht und alles in den Betrieb gesteckt“, erzählt die 55-Jährige sichtlich bewegt.

Doch in den vergangenen Jahren habe sich die Situation drastisch verändert. Neben gestiegenen Energie- und Einkaufspreisen belaste vor allem die steuerliche Situation das Geschäft. „Am Ende bleibt kaum noch etwas übrig. Wir arbeiten viel – aber verdienen immer weniger“, sagt ihr 60-jähriger Ehemann.

Steigende Belastungen für kleine Betriebe

Kleine gastronomische Betriebe kämpfen derzeit vielerorts mit ähnlichen Problemen. Höhere Mehrwertsteuersätze, steigende Sozialabgaben sowie bürokratische Anforderungen treffen besonders Familienunternehmen hart. Anders als große Ketten verfügen sie meist nicht über finanzielle Rücklagen oder umfangreiche Steuerberatung.

Das Ehepaar betont, dass nicht nur die Steuern allein ausschlaggebend seien, sondern die Summe aller Belastungen: „Wenn Miete, Strom, Wareneinsatz und dann noch die Abgaben immer weiter steigen, bleibt irgendwann keine Perspektive mehr.“

Stammkunden reagieren mit Bedauern

Bei den Stammgästen sorgt die Nachricht für große Betroffenheit. Viele kommen seit Jahren regelmäßig zum Mittagessen oder auf einen kurzen Snack vorbei. „Das hier war wie ein zweites Wohnzimmer“, sagt ein langjähriger Kunde. „Man kennt sich, man redet miteinander. So etwas findet man heute kaum noch.“

Einige Gäste organisierten spontan eine kleine Abschiedsaktion und sammelten persönliche Dankesworte für das Paar. Für viele ist der Imbiss nicht nur ein Ort zum Essen gewesen, sondern ein Treffpunkt im Viertel.

Blick in die Zukunft

Wie es für das Ehepaar weitergeht, ist noch offen. Mit 55 und 60 Jahren sei es nicht leicht, noch einmal ganz neu anzufangen. Dennoch wollen sie optimistisch bleiben. „Vielleicht finden wir etwas Ruhigeres, ohne diesen enormen Druck“, sagt die 55-Jährige.

Der Abschied falle schwer – doch die Gesundheit und eine gesicherte Zukunft stünden nun im Vordergrund. Mit der Schließung ihres Imbisses verliert die Stadt nicht nur einen gastronomischen Betrieb, sondern auch ein Stück gelebter Nachbarschaft.