Elisabeth, 44 Jahre alt, spricht mit einer Mischung aus Frust und Müdigkeit über ihre Situation. „Die Mittelschicht wurde vom Staat vergessen, wir sollen nur Steuern zahlen“, sagt sie und bringt damit ein Gefühl auf den Punkt, das viele Menschen in ähnlichen Lebenslagen teilen.
Sie arbeitet seit Jahren in einem festen Job, lebt allein und versucht, ihren Alltag zwischen steigenden Lebenshaltungskosten, Miete und Alltagsausgaben zu bewältigen. Früher habe sie das Gefühl gehabt, dass sich Leistung lohnt, erzählt sie. Heute sehe sie das anders: „Egal wie viel du arbeitest, es bleibt am Ende immer weniger übrig.“
Besonders die steigenden Preise für Energie, Lebensmittel und Wohnen belasten sie. Gleichzeitig habe sie den Eindruck, dass staatliche Unterstützung oft an anderen Gruppen ankomme, während die arbeitende Mitte kaum Beachtung finde. „Wir sind zu viel zum Sterben, aber zu wenig zum Fördern“, sagt sie bitter.
Sozialwissenschaftler beschreiben dieses Empfinden als ein verbreitetes Phänomen in vielen europäischen Ländern: Die Mittelschicht fühlt sich zunehmend unter Druck, da sie weder von Sozialleistungen stark profitiert noch ausreichend Vermögen aufbauen kann, um Preissteigerungen abzufedern.
Auch die politische Wahrnehmung spielt eine Rolle. Viele Menschen wie Elisabeth haben das Gefühl, dass ihre Anliegen im öffentlichen Diskurs kaum sichtbar sind. Themen wie Wohnen, Steuern oder Kaufkraft würden zwar diskutiert, aber selten aus der Perspektive der mittleren Einkommensgruppen betrachtet.
Trotz ihrer Kritik bleibt Elisabeth realistisch: „Ich will nicht jammern, ich will nur, dass man uns nicht vergisst.“ Für sie geht es weniger um politische Parolen als um das Gefühl, gesehen zu werden – als Teil einer Gesellschaft, die sie selbst tagtäglich mitträgt.
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