Marion ist 29 Jahre alt und arbeitet seit mehreren Jahren als Friseurin. Ihr Beruf ist für sie mehr als nur Haare schneiden – es ist Beratung, Handwerk und oft auch ein Stück zwischenmenschlicher Austausch. Umso mehr wundert sie sich über eine Entwicklung, die sie in ihrem Alltag immer häufiger erlebt: Immer weniger Kundinnen und Kunden geben Trinkgeld.
„Ich verstehe es einfach nicht“, sagt sie. „Man nimmt sich Zeit, hört zu, arbeitet sorgfältig – und am Ende bleibt oft nur der reine Preis ohne jede Anerkennung.“
Früher sei das anders gewesen, erzählt sie. Kleine Beträge oder Aufrundungen seien üblich gewesen, manchmal auch als Zeichen der Wertschätzung für besondere Leistungen. Heute komme das deutlich seltener vor, selbst bei aufwendigen Behandlungen wie Färben, Schneiden oder Styling.
Dabei steigen auch im Friseurhandwerk die Kosten: Produkte sind teurer geworden, Mieten und Energiekosten belasten die Salons zusätzlich. Viele Kundinnen und Kunden achten daher stärker auf den Endpreis – was sich indirekt auch auf das Trinkgeldverhalten auswirkt.
In der Branche selbst wird das Thema unterschiedlich gesehen. Einige sagen, Trinkgeld sei freiwillig und kein fester Bestandteil des Einkommens. Andere sehen es als wichtige Anerkennung für persönliche Dienstleistung und zusätzliche Mühe.
Marion versucht, es nicht persönlich zu nehmen, merkt aber, dass es sie manchmal enttäuscht. „Es geht nicht nur ums Geld“, sagt sie. „Es ist dieses Gefühl, dass die Arbeit gesehen wird.“
Trotzdem bleibt sie ihrem Beruf treu. Der direkte Kontakt mit Menschen, die kreativen Möglichkeiten und das Ergebnis ihrer Arbeit motivieren sie weiterhin. „Wenn jemand am Ende glücklich aus dem Salon geht, ist das eigentlich das Wichtigste“, sagt sie – auch wenn ein kleines Zeichen der Wertschätzung zwischendurch sie zusätzlich freuen würde.
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